Fragen zur internen Evaluation


Wann sollte die interne Evaluation durch eine/n Multiplikator/in begleitet werden?

Inzwischen haben viele Kitas die interne Evaluation von speziell qualifizierten Multiplikator/innen begleiten lassen und die Unterstützung dafür genutzt, über die eigene Praxis nachzudenken sowie Veränderungen in der eigenen Arbeit vorzunehmen. Die Erfahrungen haben gezeigt, dass eine vorbereitete und reflektierte Begleitung der internen Evaluation durch eine/n Multiplikator/in von großem Vorteil sein kann. Deshalb wurden in Berlin bisher etwa 340 Multiplikator/inn/en zur Begleitung für die interne Evaluation zum BBP qualifiziert (Stand Januar 2016). Diese Multiplikator/inn/en können von Trägern und Kitas angefragt werden, um Kita-Teams bei der internen Evaluation zu begleiten und ihr Wissen und Können an die pädagogischen Fachkräfte des Teams weiterzugeben (siehe auch: SenBWF (Hrsg.) Werkzeugkiste Interne Evaluation, 2010).
Die Zusammenarbeit mit einer/m Multiplikator/in bietet sich insbesondere dann an, wenn

das Kita-Team nur wenig Erfahrung mit dem Verfahren der der internen Evaluation hat,
die Einrichtung die interne Evaluation gerne mit einer Teamfortbildung zum Aufgabenbereich verbinden möchte,
das Team sich noch unsicher in der Arbeit mit dem Berliner Bildungsprogramm und/oder dem zu evaluierenden Aufgabenbereich ist,
es innerhalb des Teams Uneinigkeit darüber gibt, wie die pädagogische Arbeit in der Kita bezogen auf den Aufgabenbereich gestaltet werden soll,
der Aufgabenbereich 8 (Gestaltung der Zusammenarbeit und Kommunikation in der Kita nach demokratischen Grundprinzipien) evaluiert werden soll, da die Moderation dieses Aufgabengebietes in besonderem Maße eine Person erfordert, die nicht in die Dynamik des Teams eingebunden ist,
Leitung und Team sich durch die Multiplikatorin oder den Multiplikatoren in der Vor- und Nachbereitung der Evaluation deutlich entlasten lassen,
die Zusammenarbeit mit Eltern in der Einrichtung als konfliktreich empfunden wird.

Eine Liste von Multiplikator/inn/en finden Sie auch auf unserer Webseite.

 

Wo erhält man den „roten Order" als neuer Träger bzw. neue Kita?

Die Materialien für die interne Evaluation zum Berliner Bildungsprogramm („roten Ordner") wird jedem Träger bei Eröffnung einer neuen Kita von der Kitaaufsicht übergeben.
Anfordern kann man den Ordner über die Fachabteilung Kita bei der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft.

Kontakt:

Wolfgang Ziebart
Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie
Abteilung Jugend und Familie

Bernhard-Weiß-Str. 6
10178 Berlin
Telefon: 030-90227-5416 
eMail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Wie viel Zeit wird für die Durchführung der internen Evaluation benötigt?

Der zeitliche Aufwand für die Durchführung einer internen Evaluation ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Hierzu zählen:

  • Evaluationsverfahren/ -Methode
  • Begleitung der internen Evaluation von einer externen Fachkraft (Multiplikator/in bzw. Auditor/in)
  • Größe der Einrichtung
  • Zeit für Vor- und Nachbereitung die der Leitung und dem Team realistisch zur Verfügung stehen
  • Motivation des Kita-Teams (Wird die interne Evaluation als wichtiger Bestandteil der eigenen Arbeit bewertet?)
  • Motivation des Trägers (Wird die interne Evaluation als wichtiger Bestandteil der Qualitätsentwicklung bewertet?)
  • Zu evaluierender Aufgabenbereich / Qualitätsbereich
  • Verbindung der Evaluation mit einer Team-Fortbildung zum Aufgaben- bzw. Qualitätsbereich

Auf diesem Hintergrund ist schwer zu sagen wie viel Zeit eine interne Evaluation in Anspruch nimmt. Deutlich sollte jedoch sein, dass sich eine persönliche und teambezogene Auseinandersetzung mit einem für die pädagogische Arbeit zentralen Aufgabenbereich nicht innerhalb einer Teambesprechung oder am späten Nachmittag vollziehen lässt.
Für die inhaltliche Auseinandersetzung und Reflektion eines Aufgabenbereichs (ohne Vor- und Nachbereitung) sollte der Träger dem Kita-Team ein bis zwei Tage zur Verfügung stellen, an denen die Kita geschlossen ist.

 

Wie viele Aufgabenbereiche sollte ein Kita-Team im Jahr intern evaluieren?

Die Durchführung der internen Evaluation (IE) unterliegt keinen zeitlichen Vorgaben, denn jede Kita hat ihre ganz eigene Gesamtsituation, die bei der Planung des IE Prozesses berücksichtigt werden sollte.
Arbeitet eine Einrichtung mit den „Materialien zur internen Evaluation zum Berliner Bildungsprogramm" wird empfohlen, zwei Aufgabenbereiche in einem Jahr zu evaluieren.
Die Evaluation nur eines Bereichs kann angeraten sein, wenn sich die Kita gerade in einem Umbruch befindet (Leitungswechsel, hohe Krankheitsrate, Neugründung, etc.). Die Evaluation von mehr als zwei Aufgabenbereichen ist nicht zu empfehlen, da mit dem Evaluationsprozess generell Vorhaben für die fachliche Weiterentwicklung verbunden sind, deren Realisierung Zeit und die Aufmerksamkeit aller Beteiligten benötigt.

 

Müssen alle Kitas für die interne Evaluation den „roten Ordner" der SenBJW benutzen?

Nein, es besteht keine Verpflichtung, diese Materialien zu nutzen. Ihre Anwendung wird empfohlen. Die interne Evaluation kann so unmittelbar entlang der Qualitätskriterien des Berliner Bildungsprogramms erfolgen. Das unterstützt die Vergleichbarkeit und den fachlichen Dialog zwischen den Kitas.
Verschiedene Träger und Verbände haben bereits eigene Qualitätsentwicklungsverfahren – und damit eigene interne Evaluationsverfahren – in die Praxis ihrer Kitas eingeführt. Grundsätzlich ist es möglich, dass diese Verfahren und die dazu eingeführten Instrumente auch für die interne Evaluation der Arbeit nach dem Bildungsprogramm genutzt werden.
Allerdings müssen hierfür zwei Voraussetzungen gegeben sein:

  • Die den angewandten Verfahren zugrundeliegenden Qualitätskriterienkataloge müssen die wesentlichen Qualitätskriterien zur Arbeit mit dem Bildungsprogramm enthalten. Nur so ist – wie von der QVTAG gefordert – eine Evaluation anhand der Kriterien des Bildungsprogramms möglich.
  • Die angewandten Instrumente müssen alle in der Kita tätigen Erzieherinnen zu Wort kommen lassen. Nur so ist eine gemeinsame fachliche Entwicklung des Gesamtteams zu erreichen.

Sofern ein Träger ein anderes als das durch die SenBJW-Materialien beschriebene Qualitätsentwicklungsverfahren nutzt, muss er die für dieses Verfahren geltenden Qualitätskriterien daraufhin prüfen, ob und inwieweit sie denen für die Arbeit mit dem Bildungsprogramm entsprechen. Gegebenenfalls sollten sie ergänzt oder korrigiert werden. Diese Überprüfung empfiehlt sich auch in Hinblick auf die externe Evaluation, die sich gleichfalls an den Qualitätskriterien zum Bildungsprogramm orientieren.
Wird die interne Evaluation mit den vorliegenden SenBJW-Materialien durchgeführt, können die Teams im Kontext ihrer Situation entscheiden, mit welchen Aufgabenbereichen sie beginnen wollen und welche Schwerpunkte sie setzen wollen.

 

Wer hat welche Rolle im Prozess der internen Evaluation?

Erzieherinnen und Erzieher:
Die Erzieherinnen und Erzieher sind die eigentlichen Akteure der internen Evaluation: Sie entscheiden im Team, mit welchem Aufgabenbereich sie den Prozess der internen Evaluation beginnen und mit welchen Qualitätsansprüchen sie sich besonders intensiv auseinandersetzen wollen. Sie verständigen sich über die zusammenfassende Einschätzung des erreichten Qualitätsniveaus, beraten Perspektiven für die Weiterentwicklung der Arbeit und vereinbaren hierfür konkrete Schritte.

Kitaleitung:
Die Kitaleitung trägt vor Ort die Verantwortung für den Gesamtprozess der internen Evaluation. In Absprache mit dem Träger stellt sie sicher, dass das Team, nach Möglichkeit durch eine geeignete Fachkraft von außen qualifiziert in die interne Evaluation eingeführt wird. Sie informiert diese Fachkraft vor Beginn der Evaluation über die Situation der Kita; sie organisiert den Ablauf, sichert die gemeinsamen Besprechungstermine und sorgt für die Bereitstellung der benötigten Materialien. Die Leitung kann diese Aufgabe – unter Beibehaltung ihrer Gesamtverantwortung – auf eine hierfür geeignete Erzieherin übertragen.
Darüber hinaus beteiligt sich die Leiterin bzw. der Leiter an der strukturierten Gruppendiskussion und bringt ihre/seine Sichtweise über den fachlichen Stand der Arbeit und notwendige Perspektiven der Weiterarbeit in die Diskussion mit ein.
In vielen Kitas wird die Kitaleitung selbst – zumindest über weite Strecken – die interne Evaluation moderieren. Sie sollte sich bewusst sein, dass sie damit eine zusätzliche Rolle übernimmt, in der sie nicht nur in ihrer Leitungsfunktion und als Teil des Teams, sondern zugleich als Prozessbegleiterin handelt. In dieser Rolle unterstützt sie die Selbstreflexion des Teams durch gezielte Fragen und sorgt dafür, dass die Perspektiven aller Teammitglieder gehört werden.
Die Kitaleitung kommuniziert Ergebnisse der Evaluation, die beschlossene Perspektiven sowie die verabredeten Maßnahmen mit dem Träger und den Eltern.

Eltern:
Im Sinne einer vertrauensvollen Zusammenarbeit sollten die Eltern über die Ergebnisse der Evaluation und insbesondere über die Perspektive für die fachliche Weiterentwicklung und die dazu beschlossenen Maßnahmen informiert werden. Die Erfahrung zeigt, dass Eltern, sofern die fachlichen Ziele der Kita mit Ihnen angemessen kommuniziert werden, viel Bereitschaft zeigen, diesen Prozess zu unterstützen.
Die Eltern werden im Rahmen der Bearbeitung des Aufgabenbereichs 6 durch einen Elternfragebogen an der Evaluation direkt beteiligt. Interessierte Eltern oder Vertreter der Gesamtelternversammlung können auch schon zu der Diskussion um die Ziele und Maßnahmen für die fachliche Weiterentwicklung eingeladen werden. Allerdings setzt diese Entscheidung voraus, dass dadurch nicht die Offenheit der Diskussion im Team behindert wird. Das könnte z.B. dann der Fall sein, wenn innerhalb des Teams kontroverse Positionen zu klären sind. Deshalb sollte eine derartige Entscheidung von dem Team getragen werden.

Träger:
Der Träger hat die Gesamtverantwortung für die fachliche Entwicklung der Kita. Nach den Aussagen der QVTAG gewährleistet er die Durchführung interner Evaluation nach den Qualitätskriterien des Bildungsprogramms und sorgt für die angemessene fachliche Begleitung derselben. Er entscheidet darüber, welches Qualitätsentwicklungssystem in der Kita Anwendung findet und finanziert die entsprechenden Maßnahmen.
Der Träger informiert sich über die Ergebnisse der internen Evaluation und die vorgeschlagenen Entwicklungsmaßnahmen. Entsprechend Punkt 3.5 der QVTAG ist er verpflichtet, Fortbildungsplanungen zu erstellen und umzusetzen, die die Ergebnisse der internen Evaluation berücksichtigen.
Trägervertreter können bereits zu der Diskussion um Ziele und Maßnahmen für die fachliche Weiterentwicklung der Kita eingeladen werden. Allerdings gilt auch hier, dass eine derartige Entscheidung von dem Team getragen werden sollte.

Quelle: SenBJW: Erläuterungen zu den Materialien für die interne Evaluation zum Berliner Bildungsprogramm, 2006

 

Ist die Interne Evaluation zum BBP für alle Kitas in Berlin verpflichtend?

Ja, alle Träger von öffentlich geförderten Kindertagesstätten sind dazu verpflichtet sicherzustellen, „dass ihre Kindertagesstätten ihre pädagogischen Prozesse an Hand der Qualitätskriterien des Bildungsprogramms regelmäßig intern evaluieren und dabei gewährleisten, dass die pädagogischen Fachkräfte ihrer Einrichtungen bei der Einführung der internen Evaluation durch entsprechend qualifiziertes Fachpersonal unterstützt werden". (siehe QVTAG 3.2)
Ausgenommen von dieser Verpflichtung sind private Einrichtungen, die keine „Leistungsvereinbarung" mit dem Land Berlin abgeschlossen. (siehe KitaFöG §23)

 

Warum interne und externe Evaluation?

Evaluation ist ein Verfahren zur kontinuierlichen Qualitätsentwicklung und Qualitätssicherung. Grundlage für die Qualitätsentwicklung sind die Qualitätsansprüche aus dem Berliner Bildungsprogramm.

Die interne Evaluation ermöglicht den Teams eine Vergewisserung über die bereits erreichte Qualität ihrer Arbeit und die selbstkritische Analyse von Entwicklungsnotwendigkeiten. Sie mündet in die Vereinbarung konkreter Schritte für die Weiterentwicklung der Qualität. Dabei wird immer auch die Frage gestellt, welche weiteren Entwicklungen mit den konkreten Rahmenbedingungen geleistet werden können.

Die externe Evaluation erweitert und ergänzt die Innensicht der internen Evaluation um eine neutrale Expertensicht von außen. Sie unterstützt die Teams durch konkrete Empfehlungen für die Weiterentwicklung ihrer Arbeit auf der Grundlage des Berliner Bildungsprogramms.

Für interne und externe Evaluation gelten folgende Schritte:

  • Wertschätzen der erreichten Qualität
  • Aufzeigen der Entwicklungsnotwendigkeiten
  • Einschätzen realistischer Entwicklungsmöglichkeiten unter Berücksichtigung der jeweiligen Rahmenbedingungen

Die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft hat Materialien für die interne Evaluation zum Berliner Bildungsprogramm herausgegeben, die an alle Kitas in Berlin verteilt wurden. Kitas können jedoch auch andere Verfahren und Materialien für die interne Evaluation nutzen.

Laut QVTAG sollen alle Kitas in Berlin seit 2008 ein internes Evaluationsverfahren zum BBP eingeführt haben und kontinuierlich anwenden.

 

Qualitätsentwicklung in Berlin – rechtliche Grundlage

Mit den in der „Qualitätsvereinbarung Kindertagesstätten" (QVTAG) festgelegten Zielen und Maßnahmen wurde konkretisiert, welche Anforderungen Träger von Kindertagesstätten im Land Berlin gewährleisten müssen. Zu diesen Maßnahmen gehört u.a. die Durchführung interner und externer Evaluation zum Berliner Bildungsprogramm (BBP) sowie die Erarbeitung einer pädagogischen Konzeption, die sich an den „Vorgaben des Berliner Bildungsprogramms orientiert".
Ausgangspunkt für die „Qualitätsvereinbarung Kindertagesstätten" (QVTAG) ist das Berliner „Kindertagesförderungsgesetz" (KitaFöG) in seiner Fassung vom 23. Juni 2005. Es sieht vor, dass zwischen der zuständigen Senatsverwaltung, den Träger-Verbänden und den Berliner Eigenbetrieben eine verbindliche Vereinbarungen über die Qualitätssicherung und Qualitätsentwicklung zur Umsetzung eines landeseinheitlichen Bildungsprogramms zu verhandeln und abzuschließen ist.
(vgl.§ 13 „Qualitätsentwicklungsvereinbarung")
„Diesem Zweck dienen auch Vereinbarungen über die Durchführung von Evaluationen im Sinne einer prozessorientierten Unterstützung der Träger. In die Vereinbarungen soll die Verpflichtung der Träger aufgenommen werden, entsprechend der Qualitätsentwicklungsvereinbarung die Ergebnisberichte zu Evaluationsverfahren und andere erforderliche Informationen über die Qualitätsentwicklung an die Jugendämter und an die für Jugend und Familie zuständige Senatsverwaltung wie auch an die mit der Begleitung der Qualitätsentwicklung beauftragten Dritten weiterzuleiten. Daten von Kindern sind zu anonymisieren oder zu pseudonymisieren." (KitaFöG § 13)