Fragen zur Kita-Konzeption


Was sind zentrale Merkmale einer Kita-Konzeption?

Die Konzeption beschreibt auf Basis gelebter Praxis das institutionelle und pädagogische Selbstverständnis einer Kita, kennzeichnet die zentralen Eckpunkte der pädagogischen Arbeit und nimmt Bezug auf die zugrundeliegende pädagogische Orientierung, die Ziele und Aufgaben sowie auf die Arbeitsweise eines Teams (vgl. Tietze/Viernickel 2007). Sie gibt Auskunft über das pädagogische Profil einer Einrichtung und geht auf dessen Schwerpunkte ein. Sie dient als Bindeglied zwischen den einzelnen Kolleginnen, der Leitung, dem Träger, weiteren Kooperationspartnern und den Eltern und schafft Transparenz, Vertrauen und Möglichkeiten zur Partizipation. Die Entwicklung und Fortschreibung der Konzeption wird dabei als beständiger dynamischer Prozess verstanden und kann daher nie als „abgeschlossen" gelten (vgl. Schlösser, E. 2009). Vielmehr sind Veränderungen und Entwicklungen ein Wesensmerkmal sozialer Institutionen und bestätigen jeder Kita ihre Einzigartigkeit. Damit wird die Konzeption Grundlage für die alltägliche pädagogische Arbeit in einer Kita, in deren Fortschreibung alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, der Träger und die Eltern einzubeziehen sind.

Es geht dabei also nicht darum die Konzeption immer wieder vollständig zu überarbeiten, sondern vielmehr während der Auseinandersetzung mit einem bestimmten Themenbereich die Konzeption daraufhin zu überprüfen, ob sie den „aktuellen Stand" bezogen auf das gerade behandelte Thema widerspiegelt oder einer Überarbeitung bzw. Weiterentwicklung bedarf. Praktische Beispiele und Fotos aus dem Kita-Alltag können in diesem Zusammenhang helfen, den Charakter und das Profil der Kita zu unterstreichen und anschaulich zu präsentieren.

Weitere Hinweise finden Sie unter:
SenBWF (Hrsg.) (2009): Empfehlungen für die Weiterentwicklung der Kita-Konzeption
Tietze, W.; Viernickel, S. (2007): Pädagogische Qualität in Tageseinrichtungen für Kinder
Schlösser, E. (2009): In 12 Schritten zum Erfolg . Die Konzeptionsentwicklung als Teamaufgabe: IN: Kindergarten heute 3/2009, S. 22-27

 

Warum braucht jede Kita eine eigene Konzeption (Adressaten)?

Als Arbeitsgrundlage richtet sich die Konzeption einer Kita an verschiedene Adressaten (Kita-Team, Eltern, Träger, Jugendamt, Öffentlichkeit) und erfüllt mehrere Funktionen. Bei der Bearbeitung der Konzeption wird es hilfreich sein, sich die unterschiedlichen Zugänge der Leser bewusst zu machen und die jeweils besonderen Interessen und Bedürfnisse im Blick zu behalten.
Die Konzeption klärt die Ziele für die gemeinsame Arbeit aller pädagogischen Fachkräfte und aller anderen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Hauses. Sie ist eine gemeinsame und verbindliche Arbeitsgrundlage für die gemeinsamen und arbeitsteiligen Aufgaben eines Teams. Sie dient damit dem Zweck, gute Kooperation zu ermöglichen, ohne sich Tag für Tag aufs Neue über alle Einzelheiten verständigen zu müssen. So erleichtert eine gute Konzeption die komplexen Abstimmungsprozesse in einem Team und spart damit Zeit für die Gestaltung und Planung des Alltags in der Kita. Dieser positive Effekt wird sich insbesondere einstellen, wenn die Konzeption von allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gemeinsam entwickelt wurde und sich möglichst alle damit weitgehend identifizieren können.
Jedes Team soll die Möglichkeit haben, sich dabei eine Unterstützung durch Fachberatung zu holen (siehe auch: KitaFöG §10, Abs. 10).

Die Konzeption als Orientierung für neue Mitarbeiter/innen
Neu hinzukommende Mitarbeiter/innen erhalten durch die Konzeption eine umfassende Orientierung über die gemeinsamen Ziele, Aufgaben und das pädagogische Profil der Einrichtung. Die Einarbeitung wird für beide Seiten leichter sein und Fragen bzw. Verständigungsbedarfe können besser identifiziert und konkreter formuliert werden. Anforderungen an neue Mitarbeiter/innen können direkt aus der Konzeption abgeleitet werden und helfen bereits im Vorfeld bei der Sondierung.

Die Konzeption als Orientierung für Eltern
Den Eltern bietet eine gute Konzeption viel mehr als eine Information über die regelmäßigen Abläufe im Tagesgeschehen. Sie erhalten Einblick in das pädagogische Selbstverständnis und erfahren etwas darüber, warum die Kita ihre Arbeit so gestaltet, wie sie sie gestaltet. Die Konzeption ist das „Aushängeschild" einer Kita und kann Eltern als wichtiger Anhaltspunkt bei der Entscheidung dienen, ihr Kind dieser oder einer anderen Kita anzuvertrauen.

Die Konzeption sollte deshalb so geschrieben sein, dass sie für alle verständlich ist. Fachbegriffe sind nicht verboten, sie sollten aber nur verwendet werden, wenn sie unverzichtbar sind und dann kurz erklärt werden. Manche Kitas entscheiden sich, für Eltern eine Kurzfassung der Konzeption anzufertigen, insbesondere wenn sie die Erfahrung gemacht haben, dass ihre Elternschaft sich eher über persönliches Erleben als über ein schriftliches Dokument ein Bild von der Kita macht.

Die Eltern Ihrer Einrichtung sollen im Erstgespräch darauf hingewiesen werden, dass es eine pädagogische Konzeption gibt und dass diese den Eltern jeder Zeit in einer ansprechenden Form zur Verfügung steht, damit diese sich über die Arbeit und das Profil der Kita informieren können. Das KitaFöG sieht vor, dass die Eltern an der Weiterentwicklung der Konzeption zu beteiligen sind:

„Die Eltern sind in Fragen der Konzeption und deren organisatorischer und pädagogischer Umsetzung in der Arbeit der Tageseinrichtungen zu beteiligen. Hierzu gehören auch Maßnahmen oder Entscheidungen, die zu finanziellen Belastungen der Eltern führen. Die Fachkräfte erörtern mit den Eltern die Grundlagen, Ziele und Methoden ihrer pädagogischen Arbeit." (KitaFöG §14 Abs.2, Elternbeteiligung)

Die Konzeption als „Aushängeschild" des Trägers
Der Kita-Träger ist verantwortlich für die Konzeption seiner Kitas. Er ist Vertragspartner für die Eltern der ihm bzw. seiner Kita anvertrauten Kinder. Er ist Arbeitgeber für alle Mitarbeiter/innen seiner Kitas mit allen dazu gehörigen Rechten und Pflichten. Der Träger ist daher in der Verantwortung, sich am Prozess der Konzeptionsentwicklung zu beteiligen. Möglichkeiten liegen hier in der fachlichen Beratung und Unterstützung des Teams, in der Erarbeitung und Pflege eines Trägerleitbildes, der Sicherung zeitlicher Rahmenbedingungen für die gemeinsame Verständigung, Planung, Organisation und Durchführung von Neuerungen und der Umsetzung der Zielvorgaben (siehe auch KitaFöG §10, Abs.10).

Im Aufgabenbereich des Trägers liegt es weiter, die Leitung und das Einrichtungsteam kontinuierlich über relevante rechtliche Vorgaben und Veränderungen zu informieren, die Einrichtungen mit dem eigenen Trägerleitbild bzw. trägerspezifischen Grundsätzen und Leitzielen zu Bildungs-, Erziehungs- und Betreuungsaufgaben vertraut zu machen und darauf zu achten, dass das Leistungsangebot und die aktuelle Lebenssituation von Kindern und Eltern im Einzugsgebiet der Einrichtung Eingang in die Konzeption finden. Der Träger sollte zudem dafür sorgen, dass die Konzeption für Interessierte zugänglich ist.

Es erscheint wichtig, den Kindertageseinrichtungen eine relativ große Autonomie bezüglich ihrer Bildungs- und Erziehungskonzeption zuzugestehen und damit die eigene Wertschätzung gegenüber der geleisteten Arbeit und der Professionalität der einzelnen Mitarbeiter/innen und des Einrichtungsteams auszudrücken (vgl. Fthenakis/Oberhuemer 2007).

Weitere Hinweise finden Sie unter:
Quelle: SenBWF (Hrsg.) (2009): Empfehlungen für die Weiterentwicklung der Kita-Konzeption

 

Muss jede Kita eine eigene Kita-Konzeption haben (rechtliche Grundlage)?

Ja, durch das Kindertagesförderungsgesetz ist geregelt, dass jede Kita eine pädagogische Konzeption erarbeitet haben muss, welche die Umsetzung der Aufgaben und Ziele nach §1 KitaFöG in der täglichen Arbeit der Einrichtung beschreibt. „[...] Die Konzeption soll insbesondere Aussagen treffen über das pädagogische Profil, die besonderen fachlichen Ziele und Schwerpunkte der Tageseinrichtung sowie über die Organisation der pädagogischen Arbeit und des Alltags, bei größeren Tageseinrichtungen einschließlich der hierfür vorgesehenen Organisation der erforderlichen Gruppenarbeit. Sie soll unter Berücksichtigung der Prinzipien einer lebenswelt und sozialräumlich orientierten Jugendhilfe deutlich machen, welchen Bezug diese Aussagen zu der Lebenssituation der in der Tageseinrichtung geförderten Kinder und ihrer Familien sowie zum Umfeld der Tageseinrichtung haben." (KitaFöG §10 Abs. 9)

Zudem ist in Berlin über die QVTAG geregelt, dass jeder Träger gewährleistet, „dass sich bis zum Jahresende 2006 Zielsetzungen und Qualitätsansprüche der Arbeit ihrer Kindertagesstätten an den Vorgaben des Berliner Bildungsprogramms orientieren und entsprechende pädagogische Konzeptionen vorliegen." (QVTAG 3.1)

 

Wie umfangreich sollte eine Kita-Konzeption sein?

Damit die Konzeption als gemeinsame Arbeitsgrundlage handhabbar bleibt, darf sie nicht zu umfangreich sein. Die Konzeption sollte sich auf die Kernaufgaben der Kita konzentrieren, die alle Kinder, Eltern und Mitarbeiter/innen jederzeit betreffen.

Je nach Gestaltung (mit oder ohne Abbildungen) empfehlen wir hierzu einen Umfang von 20 bis 30 Seiten, wobei die Konzeption durch spezifische Dokumente ergänzt werden kann (z.B. Broschüre zur Eingewöhnung, Kurzkonzeption in unterschiedlichen Sprachen, Informationen zur bilingualen bzw. mehrsprachigen Bildung und Erziehung).

Weitere Hinweise finden Sie unter:
Quelle: SenBWF (Hrsg.) (2009): Empfehlungen für die Weiterentwicklung der Kita-Konzeption