Das Berliner Bildungsprogramm für Kitas und Kindertagespflege (BBP) bildet seit 2004 die Grundlage der pädagogischen Arbeit und der Qualitätsentwicklung aller Berliner Kitas. Hier sind das Bildungsverständnis, die pädagogisch-methodischen Aufgaben von Pädagog:innen, die Bildungsbereiche sowie konkrete Qualitätsansprüche und -kriterien festgehalten. Seit 2026 gibt es das aktualisierte BBP in der derzeit gültigen Fassung.
Berliner Bildungsprogramm
Die Jugend- und Kultusministerkonferenz verabschiedete 2004 den gemeinsamen Rahmen der Länder als Grundlage für die Bildungspläne und -programme der Bundesländer. Der PISA-Schock Anfang der 2000er lenkte den Fokus der Bildungspolitik auch auf die frühe Bildung in der Kita. Berlin hatte bereits 2004, als eines der ersten Bundesländer, ein fundiertes Bildungsprogramm. Die Autor:innengruppe des Berliner Bildungsprogramms war so zusammengesetzt, dass unterschiedliche Perspektiven und Erfahrungen in der Arbeit mit Kindern in Tageseinrichtungen zusammengebracht wurden: Praxis, Träger, Fort- und Weiterbildung, Fachberatung, Wissenschaft und Fachpolitik.
Zehn Jahre nach der ersten Veröffentlichung wurde 2014 das aktualisierte Berliner Bildungsprogramm veröffentlicht. Dieses wurde ebenfalls in enger Zusammenarbeit mit der Fachpraxis weiterentwickelt. Es baute auf der bewährten Struktur des 2004 erschienenen Bildungsprogramms auf und richtete sich erstmals auch explizit an Kindertagespflege als gleichwertiges Angebot der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung. Aktuelle bildungspolitische Entwicklungen zu Inklusion, Kinderschutz und Gesundheit wurden aufgegriffen. Neue Anregungen für Pädagog:innen wurden in den jeweiligen Bildungsbereichen hinzugefügt – wobei diese keine „Bedienungsanleitung“ darstellen, sondern Orientierung geben und je nach Rahmenbedingungen, Situation und Kontext ausgestaltet werden können. Neu waren erstmalig Qualitätsansprüche für die Orientierungsqualität (Bildungsverständnis, Selbstverständnis, Bild vom Kind) als Grundlage zur Reflexion der Haltung (z.B. in der internen Evaluation). Weitere inhaltliche Vertiefungsschwerpunkte in der aktualisierten Fassung waren folgende: Übergänge, sprachliche Bildung, Inklusion und Diversität (mit einem erweiterten Inklusionsbegriff und im Verständnis der vorurteilsbewussten Bildung und Erziehung©, Institut KINDERWELTEN für diskriminierungskritische Bildung e.V.), Bildung für nachhaltige Entwicklung, Zusammenarbeit und Kommunikation im Team sowie Aufgaben und Verantwortung der Leitung und des Trägers. Das BBP 2014 entfaltete eine nachweislich positive Wirkung und auch weit über die Stadt- und Landesgrenzen hinaus hat das BBP 2014 Beachtung gefunden. Es gibt inzwischen Übersetzungen in fünf Sprachen. Es ist gelungen, ein international anerkanntes Bildungsprogramm mit dem Bildungsleitbild „der kritische, selbstständig denkende, selbstbewusste, autonome, solidarisch handelnde und kompetente Mensch“ (Preissing) zu etablieren.
Berliner Kitas sind vielfältig. Mit dem BBP erhält jede Kita eine Orientierung für ihr pädagogisches Handeln und für die Weiterentwicklung ihrer Arbeit. Mit Blick auf das spezifische Profil eines Trägers und einer Kita und unter Berücksichtigung der gegebenen personellen, baulichen und sozialräumlichen Bedingungen kann jede Kita aus diesem gemeinsamen Rahmen ihr eigenes Profil auf der Grundlage des BBP entwickeln. Das BBP bildet eine Gesamtheit aller aktuellen Ansprüche an eine qualitativ hochwertige Bildung, Erziehung und Betreuung von Kindern in Kitas und Kindertagespflegestellen ab. Mit dem BBP ist ein gesetzlich festgelegter Rahmen vorgegeben, aber gleichzeitig werden Prinzipien der Pluralität, Trägerautonomie und Konzeptionsvielfalt gewahrt. So wurde es in der Vereinbarung über die Qualitätsentwicklung in Berliner Kindertageseinrichtungen (QVTAG) im Jahr 2006 festgehalten.
In den meisten Kapiteln des BBP sind konkrete Qualitätsansprüche und -kriterien enthalten, die die Grundlage für die Qualitätsentwicklung in den Kitas bilden. In der QVTAG ist festgelegt, dass alle Kitas ihre pädagogische Arbeit anhand der Qualitätsansprüche des BBP durch systematische interne Evaluation kontinuierlich reflektieren und weiterentwickeln. Ebenso ist das BBP die fachliche Grundlage für die externen Evaluationen.
Grundlagen pädagogischen Handelns (Kapitel 1)
Der pädagogische Alltag mit Kindern ist spannend, anspruchsvoll, dynamisch und vielschichtig. Als pädagogische Fachkraft haben Sie einen maßgeblichen Einfluss auf die Entwicklung und das Lernen der Kinder in Ihrer KiTa. Ihre täglichen Entscheidungen und Handlungen sowie Ihre Haltung prägen die Bildungsprozesse der Kinder entscheidend. Hierfür sind eine klare Orientierung und ein gemeinsames Verständnis der pädagogischen Fachkräfte über die Grundlagen des pädagogischen Handelns von großer Bedeutung. In diesem Kapitel geht es somit um wissenschaftliche Erkenntnisse, Wertvorstellungen, Ziele und Haltungen, auf denen die frühkindliche Bildung in Berlin aufbaut.
Zu Beginn wird darauf eingegangen, welche Bedeutung die Kinderrechte als Ausgangspunkt pädagogischen Handelns haben und welches Bildungsverständnis und Bild vom Kind dem zugrunde liegen. Darauf aufbauend wird folgenden Fragen nachgegangen: Was ist Bildung? Wie lernen junge Kinder? Was braucht eine kindorientierte frühe Bildung? Das Bildungsverständnis wird durch die Querschnitts-themen Kinderrechte, Inklusive Bildung und Bildung für nachhaltige Entwicklung vertieft und inhaltlich weiter konkretisiert. Die Ziele des pädagogischen Handelns, die in der Stärkung und Förderung der Kompetenzen der Kinder liegen, werden beschrieben und handhabbar gemacht. All diese Elemente dienen Ihnen als innerer Kompass für Ihr tägliches Handeln in der KiTa und für die Interaktion mit den Kindern.
Zum 1. Kapitel „Grundlagen pädagogischen Handelns“ gehören folgende Unterkapitel:
• Bildungsverständnis
• Querschnittsthemen (Kinderrechte, Partizipation und Kinderschutz / Inklusive Bildung / Bildung für nachhaltige Entwicklung)
• Ziele pädagogischen Handelns: Kompetenzen stärken und anregen
Bildungsbereiche (Kapitel 2)
Junge Kinder lernen ganzheitlich, eingebettet in Alltagserfahrungen und während des gesamten Tages: im Spiel, beim Essen, im Gesprächskreis, beim Bücherlesen, Forschen oder Buddeln im Garten und in vielen anderen Situationen. In den täglichen Aktivitäten und Erfahrungen stecken vielfältige Bildungsgelegenheiten. Die Trennung in sieben Bildungsbereiche, die hier vorgenommen wird, spiegelt deshalb nicht die Wahrnehmung und das Erleben der Kinder wider. Ihre Aneignungstätigkeit folgt ihrer Neugier und ihren Interessen. So eröffnen sich ihnen neue Erfahrungswelten und unterschiedliche Zugänge zur Weltentdeckung.
Die genauere Betrachtung der sieben Bildungsbereiche unterstützt Sie als pädagogische Fachkräfte dabei, gezielter zu beobachten, Ihren Alltag gut zu überdenken sowie zu planen: Kommen Kinder bei Ihnen mit Anregungen aus allen Bildungsbereichen in Kontakt? Wo liegen die Interessen der einzelnen Kinder und der Kindergemeinschaft? Bekommen alle genug Anregungen, um in die „Zone der nächsten Entwicklung“20 zu kommen und damit ihre Potenziale, Talente und Begabungen zu entfalten? Wenn Sie hier zustimmen, eröffnen Sie Kindern im pädagogischen Alltag einen weiten Blick und unterstützen ihre Aneignung von Welt.
Zum 2. Kapitel „Bildungsbereiche“ gehören folgende Unterkapitel:
• Gesundheit und Bewegung
• Sozial-emotionale Bildung
• Sprache und Kommunikation
• Mathematik
• Natur, Umwelt, Technik
• Ästhetisch-künstlerische Bildung
• Medienbildung
Pädagogische Aufgabenbereiche (Kapitel 3)
In den vorhergehenden Kapiteln haben Sie sich mit der Basis – dem Bildungsverständnis und den Zielen pädagogischen Handelns – auseinandergesetzt, und bei den Querschnittsthemen und Bildungsbereichen standen die Inhalte im Vordergrund. Nun wird es konkreter um Ihr Handeln gehen. Wie unterstützen Sie die Bildungsprozesse der Kinder? Was spielt dabei eine Rolle? Grob lassen sich hierfür die folgenden Schritte als Kreislauf beschreiben: Beobachten mit Erkunden und Erkennen, Auswerten mit Austauschen, Dokumentieren und Einschätzen, Ableiten mit Planen und Umsetzen – und der Kreislauf beginnt mit der nächsten Beobachtung aufs Neue.
Diese wichtigen Tätigkeiten pädagogischer Fachkräfte geschehen innerhalb des pädagogischen Alltags. Wie nutzen Sie das Alltagsleben in der KiTa und wie regen Sie Bildungsprozesse der Kinder gezielt an? Sie erfahren zudem mehr über die wichtigsten Aspekte bei der Gestaltung von Innen‐ und Außenräumen, über die Begleitung des Spiels der Kinder und über Projektarbeit und warum sie gut zum Bildungsverständnis passt. Es wird auch noch einmal darum gehen, wie Sie Partizipation für jedes Kind ermöglichen, welche Bedeutsamkeit Gespräche mit Kindern haben und warum Sie gegenüber Beschwerden – auch schon von ganz jungen Kindern – ein offenes Ohr haben sollten. Teilhabe und Förderung, die Zusammenarbeit mit Familien in der Bildungs‐ und Erziehungspartnerschaft und die Gestaltung der Übergänge sind weitere pädagogische Aufgaben, die eine wesentliche Rolle in Ihrer täglichen pädagogischen Arbeit spielen: in Bildung, Erziehung, Betreuung und Förderung.
Zum 3. Kapitel „Pädagogische Aufgabenbereiche“ gehören folgende Unterkapitel:
• Bildungsprozesse ermöglichen und gestalten (Beobachten, Dokumentieren und Einschätzen / Das alltägliche Leben mit Kindern gestalten / Anregung erlebnisreicher Spiele / Entdeckendes und forschendes Lernen in Projekten / Räume gestalten
• Teilhabe und Inklusion
• Bildungs- und Erziehungspartnerschaft mit Familien
• Übergänge gestalten (Eingewöhnung: Der Übergang von der Familie in die KiTa / Übergänge während des Tages: Mikrotransitionen / Das letzte Jahr in der KiTa – Übergang in die Grundschule)
Qualität sichern und entwickeln (Kapitel 4)
Dieses Kapitel lenkt Ihren Blick auf die Aufgaben, die sich aus der Verpflichtung zur Qualitätssicherung und ‐entwicklung auf der Grundlage des Berliner Bildungsprogramms und der Vereinbarung über die Qualitätsentwicklung in Berliner Kindertageseinrichtungen (QVTAG) ergeben. Für Kindertagesein¬richtungen geht es zum einen um grundlegende Aspekte, die Qualitätsentwicklung unterstützen: ein Verständnis der Kita als „lernende Organisation“, eine demokratische Einrichtungskultur sowie Mitar¬beitendengesundheit. Zum anderen werden die jeweiligen Aufgaben von Trägern, Kita‐Leitungen und Kita‐Teams für die Qualitätsentwicklung näher beleuchtet. Sie finden im Kapitel auch Hinweise, wie Qualitätsentwicklung speziell im Arbeitsbereich Kindertagespflege umgesetzt werden kann und welche Rolle dabei die Fachberatung im Jugendamt, die Vernetzung und die interne Evaluation spielen. Im letz¬ten Abschnitt erfahren Sie, wie wichtig die Einbeziehung der Perspektiven von Kindern im Prozess der Qualitätsentwicklung ist und was es braucht, um diese einzuholen, unabhängig davon, ob Sie in Kita oder Kindertagespflege tätig sind.
Zum 4. Kapitel „Qualität sichern und entwickeln“ gehören folgende Unterkapitel:
• Qualitätsentwicklung in Kindertageseinrichtungen (Aufgaben und Verantwortung des Trägers für die Qualitätsentwicklung / Aufgaben und Verantwortung der Kita‐Leitung für die Qualitätsentwicklung / Aufgaben und Verantwortung der pädagogischen Fachkräfte – Qualitätsentwicklung im Team)
• Qualitätsentwicklung in der Kindertagespflege
• Perspektiven der Kinder auf KiTa-Qualität
Hier können Sie das Berliner Bildungsprogramm in der aktuellen Fassung lesen: www.bbp-digital.de und hier herunterladen: https://www.berlin.de/sen/jugend/familie-und-kinder/kindertagesbetreuung/bbp.pdf
Hiller, Milena (2017): Umgang mit Bildungsprogrammen am Beispiel des Berliner Bildungsprogramms für Kitas und Kindertagespflege. In: Evangelischer KITA-Verband Bayern e. V. (2017): Durchblick, S. 28-29.
Vorstellung der 2014 aktualisierten Fassung des Berliner Bildungsprogramms von Christa Preissing: https://www.youtube.com/watch?v=5M4160Jx4Ao

